Die Pfarrei St. Radegundis und Maria Schnee                     in Wulfertshausen

 

Wulfertshausen, heute ein Teil der Stadt Friedberg, ist erstmals im 12. Jahrhundert in einer Urkunde des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg erwähnt. „Wulvericheshusen“ bedeutet „bei den Häusern des Wulferich“. Ortsnamen dieser Art verweisen auf eine im 8.-9. Jahrhundert entstandene Siedlung. Archäologische Funde bestätigen aber, dass die Flur auf der Lechrainhöhe schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war. Und als das Land unter römischer Herrschaft stand und Augusta Vindelicorum (Augsburg) Provinzhauptstadt war, bauten reiche Römer hier ihren Landsitz. Bauschutt und Gefäßscherben aus dieser Zeit wurden bei Grabungen unter der alten Dorfkirche gefunden.

Die Überlieferung besagt, um das Jahr 1270 wird in Wulfertshausen, wo der „Camerarius de Wellenburg“ einen Hof hat, im Hause des Tobelbauern eine Tochter Radegundis geboren. Sie trat als Magd in den Dienst der Herren von Schloss Wellenburg im Westen von Augsburg und wird ein Vorbild der Nächstenliebe. Heimlich besucht sie die Kranken und Aussätzigen im abseits gelegenen Siechenhaus, pflegt sie und versorgt sie mit Speise und Trank aus dem Schloss. Um das Jahr 1290 wird sie auf dem Weg dorthin von Wölfen überfallen und getötet. Ihr Grab in einer Kapelle beim Siechenhaus ist bald Ziel vieler Pilger. Das Volk sieht in Radegundis eine Heilige, und die Kirche billigt die Verehrung. Seit 1810 befinden sich die kostbar geschmückten Gebeine in der Pfarrkirche von Waldberg, aufgebahrt in einem Glasschrein. Von Wulfertshausen aus wallfahren alljährlich Gläubige 30 Kilometer weit zu Fuß dorthin.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird mit Unterstützung des Friedberger Rats in Wulfertshausen eine Marienkapelle errichtet, die später den Titel „B. Mariae Virg. Ad. Nives“ erhält. Turm und Chorraum der alten Dorfkirche dürften von diesem Sakralbau stammen, und die nahe Kapelle „Mariä Heimsuchung“ könnte ein Vorläuferbau sein. Zwei Tafeln über dem Chorbogen der Kirche berichten die weitere Geschichte: Im Jahre 1632, während des 30jährigen Krieges, brennen Schweden die Kirche nieder. 1641 werden die Schäden behoben, und 1701 wird das Kirchenschiff vergrößert und erhält seine heutige Gestalt.

Der neubarocke Hochaltar, um 1870 entstanden, schmückt das Gnadenbild „Maria Schnee“. Diese Kopie des berühmten Mariengemäldes in der Basilika Maria Maggiore in Rom schuf bereits 1702 der bedeutende Künstler Heinrich Matthäus Mayr. Von seiner Hand stammen auch die vier 1707 entstandenen großen Gemälde mit Motiven der Maria-Schnee-Legende. Plastiken „Mariä Himmelfahrt“ und „Maria unbefleckte Empfängnis“ schmücken die um 1700 entstandenen Seitenaltäre. Zum Kirchenschmuck gehören eine spätgotische Figur des heiligen Martin, die wahrscheinlich aus der alten Kirche stammt, sowie eine barocke Statue des heiligen Sebastian. An der Wand des Vorbaus der Kirche ist eine Reliefsteinplatte eingelassen zur Erinnerung an den 1642 verstorbenen Pfarrer und Doktor der Theologie Nikolaus Aiermschmalz, der im Gotteshaus beigesetzt ist. Die Wallfahrt zum Gnadenbild der Gottesmutter, seit 1657 von den Jesuiten besonders gefördert, war so bekannt, dass Wulfersthausen bei Augsburger Pilgern einfach „Maria Schnee“ hieß. Erst um das Jahr 1920 ist die Wallfahrt erloschen.


 

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